Event-Bericht „Lebendes Buch“ – Fragen, Aussagen & Komplimente 1


Hallo meine Lieben!

 

Die beiden Event-Tage von living books waren wirklich toll.

Es sind zwar nicht so viele Besucher gekommen, wie ich erwartet habe, dennoch waren die Gespräche sehr interessant und haben größtenteils auch richtig Spaß gemacht.

Wie bereits angekündigt, war ich letzte Woche ein lebendes Buch über das Thema Transgender in der Hauptbücherei der Stadt Wien.

Mit ein paar der anderen lebenden Bücher konnte ich mich gut unterhalten, und sagen wir es einmal so, wir hatten es recht lustig.

 

Von meinen Gesprächspartnern kamen einige sehr interessante Fragen, welche ich euch nicht vorenthalten möchte:

  • Bist du irgendwann nicht mehr Transgender?
  • Kann man nach der Genitalangleichung normalen Geschlechtsverkehr und Orgasmen haben?
  • Ist es in Österreich schwer den Vornamen und Dokumente ändern zu lassen?
  • Was verändert sich alles durch die Einnahme von Hormonen des anderen bzw. des Wunschgeschlechts?
  • Birgt die Operation Risiken?
  • Wie reagieren die Menschen in deinem Umfeld auf dich?
  • War es schwer deiner Familie deinen Lebenswandel mitzuteilen?
  • Hast du oder hattest du Probleme nachdem du auch in der Arbeit dein Outing hattest?
  • Würdest du dich öfters Operieren lassen, insbesondere im Gesicht?
  • Was kostet eine geschlechtsangleichende Operation?
  • Musst du dein Leben lang Medikamente nehmen?
  • Fühlst du dich nun zu Männern hingezogen?

 

Komplimente kamen auch immer wieder:

  • Als du aufgestanden bist, dachte ich du wärst ein Mädchen
  • Deine Haut ist so weich
  • Du siehst schon sehr feminin aus
  • Die Haare sind toll
  • Ich finde es toll, dass du dich nicht so viel schminkst, ich mag es wenn Leute natürlich sind
  • Was? Du bist schon 30? Das hätte ich jetzt nicht gedacht …
  • Du bist mutig

 

Bestimmt waren ein paar Fragen mehr dabei, jedoch kann ich mich leider nicht mehr an alle erinnern. Sollten mir nachträglich noch Dinge einfallen, die ich für relevant halte, werde ich diese in einem weiteren Blog-Post aufgreifen und darüber berichten.

 

Zu den Komplimenten möchte ich sagen, dass einige richtig erstaunt über mein Aussehen waren, da sie anscheinend noch nie wirklich einen Menschen gesehen haben, der aus dem eigenen biologisch männlichen Körper, einen weiblichen macht.

Auch glaube ich, dass einige Aussagen nicht wirklich ernst gemeint, sondern eher höflich waren.

 

Die zwei häufigsten Aussagen waren „Du bist mutig“ und „Stehst du jetzt auf Männer?“.

Ist für mich jetzt nichts Neues, da mir diese Frage immer wieder gestellt wird und auch mein angeblicher Mut sehr oft bewundert und geschätzt wird.

 

Tja, so lief’s …

 

Doch jetzt möchte ich ein bisschen auf ein paar Fragen und Aussagen eingehen!

Zu den Fragen …

Transgender?

Nachdem mein Buch den Titel „Transgender (gefangen im eigenen Körper)“ hatte, kam natürlich oft die Frage, was denn genau Transgender bedeutet.

Da ich dieser Frage bereits einen schönen Blog-Post gewidmet habe, verlinke ich hier nur: Transgender – Was bedeutet das?

War es schwer deiner Familie deinen Lebenswandel mitzuteilen?

Die Überwindung war groß, jedoch habe ich eine tolerante Familie und eine super Mama. Mein Outing in der Familie war daher recht unkompliziert und harmlos.

Hast du oder hattest du Probleme nachdem du auch in der Arbeit dein Outing hattest?

Ich bin froh in einer Firma arbeiten zu dürfen, in der die Themen Gleichbehandlung und Toleranz wirklich wichtig sind.

Im Grunde habe ich während meines etwas drei Monate andauerndedn Outings in der Arbeit, die Kolleginnen und Kollegen auf mein damals bevorstehendes verändertes Erscheinungsbild vorbereitet, indem ich meiner Kleidung immer wieder weibliche Accessoires hinzugefügt habe und mein Verhalten mehr und mehr weiblichere Formen annahm. Die Personen in meinem unmittelbaren Umfeld habe ich schlussendlich persönlich in Vier-Augen-Gesprächen informiert. Alle nahmes es recht gut auf und bisher habe ich von negativen Meldungen nichts mitbekommen.

Wie reagieren die Menschen in deinem Umfeld auf dich?

Kurz und Knapp: ziemlich normal ^^

Fühlst du dich nun zu Männern hingezogen?

Im Zuge einiger Gespräche habe ich erwähnt, dass ich damals, als quasi „Mann“ heterosexuell war und auch eine Lebensabschnittsgefährtin hatte.

Es verwirrt die Leute immer wieder, wenn ich von mir behaupte lesbisch, also homosexuell zu sein. Doch wenn man beachtet dass die sexuelle Orientierung von der geschlechtlichen Identität zu trennen ist, dann ergibt das Ganze wieder einen Sinn.

Ist es in Österreich schwer den Vornamen und Dokumente ändern zu lassen?

Schwer nein, langwierig ja!

In Österreich brauch man zur Vornamens- und Dokumenten-Änderung auf Grund von Transidentität folgende Dokumente:

  • Diagnose F64.0 eines klinischen Psychologen
  • Diagnose und Befürwortung zur Namensänderung eines Psychiaters
  • Diagnose und Befürwortung des behandelnden Psychotherapeuten

Aus mindestens einem der Stellungnahmen und/oder Gutachten muss die Beständigkeit und Irreversibilität des transsexuellen Wunsches eindeutig hervorgehen.

 

Dann sind folgende Schritte notwendig:

  • Änderung des Geschlechts im Geburtenbuch
  • Änderung des Vornamens
  • Änderung des Namens und des Geschlechts in der Geburtsurkunde

Einige Dokumente müssen unverzüglich geändert werden (zB.: Meldezettel, Führerschein, Zulassungsschein, …)

Was verändert sich alles durch die Einnahme von Hormonen des anderen bzw. des Wunschgeschlechts?

Die wichtigsten „Dinge“ die sich verändern sind:

  • die Fettverteilung wird weiblicher
  • die Haut wird feiner und bei guter Pflege weicher
  • der Bartwuchs wird langsamer und teilweise weniger
  • die Haare wachsen besser und fallen nicht mehr so stark aus
  • die Nägel wachsen schneller
  • Muskelgewebe wird teilweise weniger
  • Brüste wachsen etwas
  • der sexuelle Trieb nimmt ab
  • chemische Kastration

Die wichtigsten „Dinge“ die sich nicht verändern sind:

  • Knochen können sich nicht ändern
  • Bart hört nicht von alleine auf zu wachsen
  • einmal im Stimmbruch, immer im Stimmbruch
  • aus einer Glatze wird kein volles Haar
  • Füße werden nicht kleiner 🙁

Musst du ein Leben lang Medikamente nehmen?

Die Antwort darauf ist relativ einfach.

Wenn mir meine Haupt-Hormon-Produzenten wegoperiert werden, muss ich dem Körper selbst Hormone zuführen, sei es „neo-vaginal“, anal, oral, über die Haut oder mit Hilfe von Injektionen. Der Körper braucht Hormone um gesund zu bleiben.

Was kostet die geschlechtsangleichende Operation?

Die genauen Kosten kenne ich leider nicht, jedoch gehe ich, auf Grund von Erzählungen und Schätzungen, davon aus, dass die Operation von Mann zu Frau, etwa zwischen 15.000 und 25.000 Euro kostet. Je nachdem bei wem und in welchem Land man die Operation durführen lässt. In Österreich ist es derzeit so, dass wenn alle erforderlichen Dokumente bei der Krankenkasse einlangen und man vorab lange genug im Wunschgeschlecht gelebt und Therapiestunden hinter sich hat, die Kosten übernommen werden.

Birgt die Operation Risiken?

Ich meine, dass die geschlechtangleichende Operation genauso viele Risiken mit sich bringt wie jede andere Operation.

Es können Störungen während der OP auftreten und/oder danach. Schließlich operiert man hier nicht einen einfachen Knochenbruch, sondern hantiert mit Nervenbündeln, Blutgefäßen und auchd er Harnröhre herum. Dennoch kann ein erfahrener Chirurg das Risiko minimieren.

Jeder Körper ist anders und reagiert anders, Komplikationen können somit immer auftreten!

Kann man nach der Genitalangleichung normalen Geschlechtsverkehr und Orgasmen haben?

Wenn man es nicht übertreibt kann man nach ein paar Wochen bzw. Monaten schon normalen Geschlechtsverkehr haben. Inwiefern es zu Orgamsen kommt, hängt einerseits vom Operationsergebnis und andererseits vom Fortschritt der Heilung des Nervengewebes ab.

Würdest du dich öfters Operieren lassen, insbesondere im Gesicht?

Weiß ich ehrlich gesagt noch nicht. Eine Operationsentscheidung steht für Ende 2014 noch an. Dann werde ich ein Urteil darüber fällen ob ich einen Brustaufbau machen lassen werde oder nicht.

Alles Weitere steht noch in den Sternen …

Zu den Komplimenten …

Du bist mutig

Diese Aussage höre ich immer wieder. Es ist nett wenn mir Leute Mut nachsagen, jedoch ist es für mich nicht Mut, es war eher eine Notwendigkeit. Andernfalls wäre ich irgenwann psychisch zu Grunde gegangen.

Als du aufgestanden bist, dachte ich du wärst ein Mädchen

Ich bin zwar kein Mädchen mehr, dennoch finde ich es schön wenn man mich aus der Ferne als Frau wahrnimmt.

Deine Haut ist so weich

Das finde ich auch. Liegt wohl an den Hormonen und an der guten Pflege.

Die Haare sind toll

Danke! Meine Haare sind mir wichtig. Sie sind ein Ausdruck meiner Weiblichkeit und die Farbe rot passt meiner Meinung nach gut zu mir.

Nachdem dies doch noch ein längerer Blog-Post geworden ist, möchte ich mich bei all denen bedanken, die mich unterstützen und mir Mut und Ausdauer zusprechen.

 

Ihr seid die Besten ….

 

XoXo eure Alex


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Ein Gedanke zu “Event-Bericht „Lebendes Buch“ – Fragen, Aussagen & Komplimente

  • Norbert Muth (Kommentar übertragen) Autor des Beitrags

    Liebe Alexandra! Du bist der/die zweite Transgender in meinem Lebensumfeld. Deine Anforderungen, die Du für die Namens- und Geschlechtsänderung gebraucht hast, sind ähnlich jenen Anforderungen, die ich für meine Magenbypass-Op einbringen musste (Ärztliches Gutachten für die Notwendigkeit, psychiatrisches Gutachten, psychlogische Betreuung und Wissen, dass es kein Zurück gibt) – obwohl das ja ein Klacks gegen Deine Änderung ist.
    Deshalb interessiert es mich, ob es für Tansgender eine Lobby gibt, jemanden oder eine Gruppe, die die Interessen vertritt, die die Öffentlichkeit auf das Problem, das ja kein Hoby ist und kein Wahlkampfgag („Ich bin schwul, und das ist gut so!“) sein kann, sondern mit gehörigem Respekt behandelt wewrden muss, von außen beleuchtet.
    Mir ist es wichtig, dass es nicht nur für Schwule und Lesben – und ich kenne und schätze einige von ihnen – eine Plattform gibt, sondern für all jene, die unter die Rubrik „nicht normal“ fallen. Ich hoffe, dass Ihr alle eure wichtige Unteerstützung bekommt.
    Übrigens: Du kannst Deinen veränderten Status auch im Taufbuch eintragen lassen und laut Kirchenrecht sogar kirchlich heiraten, sollte dein Partner von Deinen Veränderungen wissen und dem Zustimmen; das nur zur kirchenrechtlichen Seite eines ehemaligen Kirchenmannes. Ich akzeptiere aber, dass Du weiterhin auf Frauen stehst, so haben wir wenigstens das noch gemeinsam.